Im Hier und Jetzt (In the here and now)

~In 2012 I was asked to write a text for the magazine Montauk. The topic was exile. At first I had no idea what to write. It was when I went on a short holiday with my friend Anja that I got the inspiration… “In the here and now” is about a personal experience I had at that time. This experience was very intensive and to write about it helped me a lot. Writing is medicine! :)

~Im Jahr 2012 hat man mich gebeten einen Text für die Zeitschrift Montauk zu schreiben. Das Thema war Exil. Anfangs hatte ich keine Ahnung was ich schreiben sollte. Die Inspiration für den Text bekam ich auf einem Kurzurlaub mit meiner Freundin Anja…  “Im Hier und Jetzt” handelt von einer persönlichen Erfahrung die ich zu dieser Zeit machte. Diese Erfahrung war sehr intensiv und darüber zu schreiben hat mir sehr geholfen. Schreiben ist Medizin! :)

Im Hier und Jetzt
Was ist morgen? Was wird sein? Was bewegt die Welt? Was gibt mir Halt? Was
macht, dass die Erde sich dreht? Wohin gehen wir? Gibt es einen Weg? Macht es
einen Sinn? Warum so viele Zweifel; woher kommt diese Dunkelheit?
Ein Regenbogen bei Sonnenschein, direkt über mir. Ist das ein Zeichen? Ich
weiß, Du sprichst zu mir, Du bist da, auch wenn ich es nicht weiß. Doch es fällt mir
schwer loszulassen. Dabei wäre es doch so einfach. Ich suche die Heimat in mir und
finde sie nicht. Den Frieden, die Ruhe. Ich bin auf Reisen und suche die
Unbeschwertheit.
Dieses Wochenende hat alles, was ein Wochenende in einer fremden Stadt
haben sollte. Wir spazieren die Donau entlang – „Drava” wird sie hier genannt –
essen Pizza im Mondschein und rundherum das Leben. Es rauscht mit der Strömung
des Flusses und erinnert mich an meine vergangenen Urlaube im Süden. Alles ist gut
und trotzdem diese Sorgen. Ich versuche das Lebensgefühl einzuatmen, doch die
Verspannung bleibt. Ich trage das Exil in mir. Wie kann ich entkommen?
Der Regenbogen weist mir den Weg. Ich bitte ihn, mir etwas von seinen Farben
zu geben. Etwas Gelb für mehr Leichtigkeit und Frohsinn und etwas Blau für die
Ruhe.
Später im Hotel blicke ich aus dem Fenster. Der Innenhof ist klein und grau. „Es
kommt nicht so sehr darauf an, wo man ist“, denke ich mir, „sondern, wie man sich
fühlt.” Dann schaue ich hinauf zu den Sternen und lausche meiner Freundin Anja, die
unter der Dusche fröhlich vor sich hin singt. Ihre unbekümmerte Art tut mir so gut.
„Komm, lass uns noch etwas spazieren gehen!”, sagt sie, als auch ich mich fertig
geduscht habe.
Ohne Plan schmeißen wir uns in die Nacht. Wir wissen selbst nicht genau, was
wir suchen. Etwas mit Musik und guter Stimmung. Etwas, wo man nicht einfach nur
seinen Wein trinkt und nachher wieder unberührt nachhause geht. Aber wo findet
man so etwas?
Als wir am Hauptplatz vorbeikommen, hören wir das Lied „Country Roads” und
Anja und ich singen mit. „…take me home to the place I belong”. Der Text spricht mir
aus der Seele.
Uns zieht es zu den Musikern und wir setzen uns an den Tisch nebenan. Die
Musiker haben fast alle lange Haare und es fehlen ihnen ein paar Zähne. Der Geruch
verrät, dass sie einen Joint rauchen. Nun warten wir auf das nächste Lied, doch es
kommt nichts. Die Kellnerin will die Bestellung aufnehmen und wir wissen nicht, ob
wir bleiben wollen.
„Gibt es hier in der Nähe ein Pub?”, fragt Anja.
Die Kellnerin sieht uns fragend an.
„Ein Pub, mit Musik und äh…”, Anja überlegt. Wir wissen selbst leider nicht, was
wir suchen.
„Gute Stimmung”, sage ich.
Der Blick der Kellnerin wird immer fragender. „Keine Ahnung”, sagt sie und
geht.
Anja und ich müssen über uns selbst lachen. Wir sind die unzufriedensten
Leute, die es gibt. Da haben wir einen schönen Platz im Gastgarten mit Live-Musik
und fragen, wo es hier ein Pub gibt.
Wir suchen weiter, doch finden wir nicht das gewünschte Pub. Nur einen DJ
und einen anderen Gastgarten. Wir setzen uns neben den DJ und trinken ein
Getränk. Dann machen wir uns auf den Weg zurück ins Hotel. Die Musiker von vorhin
sitzen noch immer am Hauptplatz. Sie sind die letzten Gäste, doch für sie scheint der
Abend erst anzufangen. Nun sind sie es, die mit uns Kontakt aufnehmen.
„Sing with us!”, sagt der eine mit der mexikanischen Vihuela, einer kleinen
Gitarre mit fünf Seiten.
Wir beginnen mit „Molly Malone“ und egal, welches Lied wir anstimmen, die Musiker
begleiten uns. Selbst Hubert von Goisern spielen wir und die Slowenen jodeln mit
uns. Ich muss so viel lachen. Das Gesicht des Bläsers ist ständig verdeckt durch sein
Instrument; und das einzige Bandmitglied ohne lange Haare und ohne Instrument
steht nur da und grinst, als wäre dieses Grinsen Teil der Musik.
Es vergehen Stunden und ich merke es nicht. Ich habe alles vergessen, auch
meine Sorgen. Passanten bleiben stehen und singen mit. Teilen mit uns den Moment
und plötzlich scheint nichts mehr fremd. Die Musik verbindet.
„We are shamans. We take you into the now“, sagt der Typ mit der Vihuela und
ich glaube ihm.
Ich bedanke mich beim Regenbogen für die neuen Farben. Die Straße zur
Heimat heißt „Now“. Hier und Jetzt ist das Leben. Die Musik ist das Leben. Dort, wo
es keine Gedanken gibt, nur Sein.

Anja – JELLAs Place –  hat übrigens auch eine Geschichte für diese Ausgabe von Montauk geschrieben. Hier geht´s zu ihrer Story http://jellasplace.wordpress.com/2012/07/10/regenbogenfisch-an-land/

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